Wandern mit den Bienen

Administrator (apidomain) on 12.21.2018

Mit den Bienen wandern macht viel Arbeit, tut den Bienen aber gut

Damit ist natürlich nicht gemeint, dass man sich ein Bienenvolk packt und losmarschiert... sondern einfach nur, dass man Bienenvölker vorübergehend in eine andere Gegend umstellt.

Wandern in der Imkerei bedeutet, dass man Bienenvölker vorübergehend, meist für wenige Wochen in eine andere Gegend umstellt. Dadurch können Trachtangebote genutzt werden, die es daheim gar nicht gibt, z.B. reine Sortenhonige. Gerade für Imker in Bayern ist das oft eine Notwendigkeit, wenn man mehr als nur die üblichen 2 bis 3 verschiedenen Standardhonigsorten anbieten will. Denn die noch vergleichsweise kleinteilige Landschaft in Bayern und das Fehlen großflächig blühender Pflanzen einer Art wie in einigen anderen Teilen Deutschlands führen dazu, dass wir in Bayern zwar vorzügliche Mischhonige, aber eben nur selten reine  - ebenso vorzügliche - Sortenhonige ernten können.

Andere Trachtpflanzen wie etwa die Edelkastanie oder Robinie (Akazienhonig!), gibt es in Bayern schlichtweg gar nicht in nennenswerten Mengen.

Das Wandern bedeutet für die Bienen übrigens keinen übermäßigen Stress. Zumindest so, wie es in Deutschland praktiziert wird. Denn gewandert wird hierzulande überwiegend nachts, wenn alle Bienen zu Hause sind. Für die Bienen ist die Wanderung, also das Auf- und Abladen auf ein Zugfahrzeug und die Fahrt selbst nichts anderes als ein schwerer nächtlicher Sturm. So lange kein Wasser eindringt und auch keine Überhitzung durch Sonne erfolgt, ist für die Bienen alles in Ordnung. An die Bewegungen ihrer Behausung während der Fahrt sind sie ebenfalls angepasst - ein hohler Baum würde sich im Sturm auch stundenlang heftig bewegen.

Anhänger mit BienenvölkernWird es am Zielort wieder still, wissen die Bienen aus der Erfahrung seit Jahrmillionen, dass sich die Landschaft nach solchen Stürmen völlig verändert haben kann, etwa weil der ganze Wald nun entwurzelt am Boden liegt. Daher schießen die Bienen am nächsten Morgen nach so einer Wanderung nicht einfach blind aus dem Flugloch, sondern schauen sich erst vorsichtig um und orientieren sich dabei sofort neu. Sie akzeptieren die neue Umgebung als optisch veränderte Heimat und beginnen sofort mit der Alltagsarbeit. Schon in der ersten Stunde kehren die Sammlerinnen beladen mit Pollen und Nektar zurück und alles ist wie gewohnt.

So eine Wanderung hat übrigens nicht nur Vorteile für den Imker, sondern tut auch den Bienen selbst gut. Denn Bienen machen im Sommer nichts lieber, als Pollen und Honig sammeln. Je mehr sie damit beschäftigt sind, desto gesünder sind die Völker. Eine Arbeitsüberlastung kennen sie nicht, im Gegenteil.

Und gerade bei uns in der Bayerischen Heimat gibt es zwischendurch immer wieder Trachtlücken, in denen die Bienen nur wenig finden. Geht man dann auf Wanderschaft, kann man den Bienen solche mageren Phasen ersparen und ihnen ununterbrochen perfekte Bedingungen bieten. Die Völker danken das dem Imker, indem sie sich prächtig entwickeln und wunderbare Sortenhonige produzieren, während die Völker daheim eher Not leiden und womöglich sogar gefüttert werden müssen, weil eben auch in Bayern die Welt nicht mehr immer in Ordnung ist.

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